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trolley:firmen - Kiepe electric: Vorstellung des IMC-Bus vor Vertreter der DNHK

J. Lehmann - 10.07.17


Im Rahmen der Veranstaltungsreihe "DNHK vor Ort" der Deutsch-Niederländischen Handelskammer fand am 11.Juli 2017 bei der Firma Kiepe electric GmbH in Düsseldorf ein Workshop E-Busse/Batterie-Busse mit In-Motion-Charging statt. Nach Begrüßung der rund 60 Gäste durch den Geschäftsführer Dr. Rainer Besold fand für die ersten Gruppen eine Vorstellung der Firma Kiepe electric GmbH und der Projekte im IMC-Bereich statt. Erik Lenz stellte kurz die neue Firmierung vor, seit Übernahme durch das 1905 gegründete Unternehmen Knorr-Bremse erhielt nun die ehemalige Firma Vossloh Kiepe die Firmierung Kiepe Electric GmbH als Tochterunternehmen. Der weltweit tätige Anbieter elektrischer Systeme für Schienenfahrzeuge und Busse mit Hauptsitz in Düsseldorf und Niederlassungen unter anderen in USA (Alpharetta), Österreich (Wien) und der Schweiz (Niederbuchsiten) rüstet bereits seit 1950 neben Voll-, Straßen- und Werksbahnen auch Elektrobusse aller Arten aus. Passend zu 111 Jahren Kiepe konnten bislang 3333 Einheiten elektrisch ausgerüstet werden.
Dr. Marcel Manheller stellte das IMC-Bus Konzept vor. Mit einer Energieübertragung durch Kontakte in genormter Standardausführung, die sich seit über 100 Jahren bewährt hat, sind alle Varianten der Aufladung von Elektrobussen möglich, und zwar Overnight-Charging, Opportunity-Charging und In-Motion-Charging. Eine Übertragung der Energie ist mit bis zu 500 kW möglich, bei Spannungen bis 800V. Durch die Variante des Aufladens während der Fahrt entfallen nicht nur Standzeiten für die Fahrzeuge, sondern auch der Bedarf an Spitzenleistungen des Energieverbrauchs für die Ladeleistung. Anhand von Diagrammen konnte der Vergleich der erforderlichen Ladeleistung einer E-Bus-Flotte mit 100 18m-Fahrzeugen dargestellt werden: Für Overnight-Charging ergibt sich aufgrund der Ladezeit von 4,5 Stunden ein Bedarf von 14 MW, beim Opportunity-Charging verteilt sich die Ladezeit auf 9 Stunden, so dass 7 MW erforderlich sind. Da bei In-Motion-Charging die Aufladung auf 18 Stunden verteilt werden kann, ist eine Leistung von 3,4 MW erforderlich. Durch IMC-Busse mit modernen Hochleistungsbatterien können die Kosten der Neuerstellung von Oberleitung erspart werden. Die Ladezeit der Batterien im Fahrbetrieb unter Oberleitung ist abhängig von der Höhe der Durchschnittsgeschwindigkeit und der Größe des Fahrzeugs. Bei einer mittleren Geschwindigkeit von 20 km/h werden für eine Stunde elektrisches Fahren lediglich folgende Ladezeiten unter der Oberleitung benötigt:
Solowagen 12m-Bus 7 min (10%)
Gelenkwagen 18m-Bus 12 min (17%)
Doppelgelenkwagen 24m-Bus 17 min (22%).

Bei niedrigen Durchschnittsgeschwindigkeiten können die Werte reduziert werden. Bei der Anlage eines Oberleitungsnetzes können damit die Kosten pro km für die Oberleitung eingespart werden und sich durch Reduzierung auf Unterwerke und einer einfachen Installation auf die Hälfte reduziert werden. Von dieser einfachen Installation werden, wie oben erläutert, lediglich 10-22% Oberleitung benötigt, so dass sich die Infrastrukturkosten im Vergleich zu einem klassischen Trolleynetz deutlich auf 5-10% reduzieren.
Über die Kosten von Unterwerken und Fahrleitung referierte Carmen Wessely von der Firma Railpower Systems. Diese Firma existiert unter diesem Namen sein 1½ Jahren, jedoch kann sie eine über 100-jährige Firmengeschichte aufweisen, sie entstand unter anderem aus den Firmen ABB/AEG und Balfour Beatty. Schwerpunkt ihres Herstellerumfangs sind Unterwerke und Fahrleitungen, für deren Erstellung gab Carmen Wessely geschätzte Kosten an, und zwar für Unterwerke: 400-600 T€/km ohne Standortkosten (z.B. Zuleitung) und für die Fahrleitung 350-400 T€/km. Sie wies jedoch ausdrücklich auf die unterschiedlichen Vorgaben der Planung hin, die eine Verschiebung der Kosten bringen können.
Anschließend stellten Vertreter der Städte bzw. Betrieb in Solingen, Arnhem und Esslingen die geförderten Projekte im Rahmen der Einführung von IMC-Busse vor. Das Solinger Projekt beschränkt sich nicht nur auf die Umstellung einer Dieselbuslinie auf IMC-Bus (in Solingen BOB = Batterie-Oberleitung-Bus genannt) sondern ist im Rahmen des Förderprojekts auch bis Ende 2017 die Errichtung und Anbindung einer Photovoltaik-Anlage auf dem Betriebshof geplant, die das Oberleitungsnetz zusätzlich speist und die Einrichtung von 15 Ladesäulen für IV-Verkehr an das Oberleitungsnetz im Jahr 2018 geplant. Eine genaue Aufstellung der Kosten des Projekts BOB Solingen wurde dargestellt, von den Projektkosten in Höhe von 19 Mill.€ sind 15 Mill.€ vom Bund gefördert. Auch das Arnheimer Projekt beinhaltet eine Infrastruktur für die Aufladung von Fahrzeugen des IV. Hier werden zwei der zuletzt in Betrieb genommenen Trolleybusse Anfang 2018 mit Batterie ausgestattet, die dann ein Einsatz auf Autobuslinien ermöglichen sollen.
Das Projekt in Esslingen mit der Bezeichnung Elektro-Hybridbus ist bereits seit einem Jahr in Betrieb, hier konnten die ersten positiven Erfahrungen berichtet werden. Zum im November 2011 mit der ersten Projektstudie gestarteten Projekt konnten im Mai 2016 die ersten der vier IMC-Bussen auf der ehemaligen Dieselbuslinie 113 in Betrieb genommen werden. Auf dieser Linie werden nun gemessen an der Fahr- und Standzeit 23 Minuten unter Fahrleitung und 42 Minuten mit Batterie gefahren, das ergibt ein Anteil von 65 % für den fahrleitungslosen Betrieb. Mit einer jährlichen Fahrleistung der Elektro-Hybridbusse im ersten Betriebsjahr von über 60 Tkm hat das System seine Zuverlässigkeit und Alltagstauglichkeit bewiesen und kann den Vergleich mit der Verfügbarkeit eines Dieselbusses bestehen.

Nach der Vortragsreihe konnten dann die Produktionshalle im Gebäude 20 und die Prüfhalle für alle Ausrüstungen besichtigt werden. Die Produktion von Stromabnehmern des Typs OSA wurde inzwischen aus Platzgründen ausgelagert und befindet sich in der Paul-Thomas-Straße einige Kilometer entfernt vom Hauptsitz, daher wurde auf eine Vorführung dieses Zweigs verzichtet. In der Produktionshalle konnten neben der Produktion von Schaltschränken und Dachcontainern mit der elektrischen Ausrüstung für Straßen- und Stadtbahnen für Karlsruhe und Hannover auch die Montage der Dachcontainer von 24m-Trolleybussen in Luzern (8 Einheiten) und Linz (20 Einheiten) besichtigt werden.
Mit einer Podiumsdiskussion, moderiert von Derk Marseille, endete die sehr informative Veranstaltung gegen 17 Uhr.

Foto:
oben: Die Luzerner Doppelgelenkwagen, die modernsten Großraumbusse der Welt, sind auch IMC-Busse, jedoch dient das Batteriepack in den Fahrzeugen lediglich zur Notfahrt und sind entsprechend niedrig bemessen. Aufnahme: Jürgen Lehmann, 27. Juni 2017
unten: Auch die für Linz bestimmten Doppelgelenkwagen der Firma VanHool erhalten noch ein kleineres Batteriepack, welches jedoch ausbaufähig ist. Die ersten dieser hochmodernen Fahrzeuge werden im Herbst dieses Jahres in Linz präsentiert. Aufnahme: Werkfoto


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